Jahreslosung 2015

Gute Vorsätze - guter Vor-Satz

„Ich wollte dieses Jahr 10 Kilo abnehmen, jetzt fehlen nur noch 13.“

Kennen Sie auch diesen Spruch? – Und besonders: Kennen Sie das Gefühl, wenn es dann auch noch stimmt? Nun, es können wirklich die 3 Kilo mehr sein, es kann aber auch sein, dass ich es nicht geschafft habe, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht geschafft habe, weniger Fleisch zu essen, mehr Sport zu machen, weniger Fernzuschauen, mehr mit den Kindern zu spielen, weniger zu arbeiten … und was es sonst noch für gute Vorsätze gibt, mit denen wir jetzt ins neue Jahr starten. Wie oft sind es ja die gleichen, mit denen wir schon viele andere Jahre begonnen haben.

Seltsam, viele bleiben die Alten, weil vieles beim Alten bleibt. Manche ärgern sich dann, weil sie es nicht besser hinbekommen haben, manche tragen es mit Humor: „Eigentlich bin ich ja ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“ Um gute Ausreden sind wir nicht verlegen. Aber dennoch – es ärgert, immer die gleichen Fehler an sich zu entdecken und sie nicht abstellen zu können. Muss ich mich so nehmen, wie ich bin, weil ich einfach nicht aus meiner Haut kann?

Die Jahreslosung in der Evangelischen Kirche für das neuen Jahr 2015 lautet: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“

Jetzt soll ich demnach auch noch andere annehmen? Dabei habe ich doch schon mit mir selbst genug zu tun. Wenn mir so vieles an mir schon nicht so passt, müssen mir dann auch noch andere passen? „Nehmt einander an …“ Dieser Satz des Apostels Paulus stammt aus dem Brief an die Gemeinde in Rom. Da gab es Leute, die sich wegen des ihrer Meinung nach religiös erlaubten Genusses von Fleisch anderen gegenüber als stärker angesehen haben, als fortschrittlicher in religiöser Hinsicht. Die anderen, die aus Glaubensgründen kein Fleisch aßen, also Vegetarier aus religiösen Gründen waren, galten als Schwache. Dass es Ärger gab, kann wohl jeder verstehen. Muss man sich jetzt da für eine Haltung entscheiden – und wenn ja, welche ist die richtige?

Vielleicht bekommt mir das Ganze aber erst so richtig und wird erst dann gut verdaulich, wenn ich mich mit dem Nachtisch beschäftige. Eigentlich mit dem längeren Nach-Satz: „wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Ja, das ist eigentlich schon wie ein richtig guter Nachtisch, denn da sagt mir einer, dass eine höhere Instanz das mit mir macht, was ich selber oft nicht schaffe, nämlich mich selber anzunehmen. Christus hat mich angenommen, zu Gottes Lob. Wie niemand sonst hat Jesus Menschen als Menschen angenommen, gerade auch mit ihren Schwachstellen, mit ihren Fehlern, mit ihren Ausreden.

Christus hat mich angenommen, zu Gottes Lob. Wohl dem, der damit etwas anfangen kann.

Das ist so ziemlich der beste Vor-Satz für das neue Jahr - und eigentlich nicht nur für das Jahr 2015.

Pfarrer Christof Seisser,

Evang. Kirchengemeinde Heselwangen