„In der Kirche brennt‘s!“

Ich hatte schon geschlafen, als unsere Tochter mit diesen Worten kurz vor Mitternacht neben unserem Bett stand. Eine Freundin hatte sie angerufen, die wiederum war von Pascal Berszuck aus Heselwangen informiert worden. Der fuhr mit dem Auto auf dem Heimweg durch die Streichener Straße, als ihm Rauchgeruch auffiel. Er fuhr noch einmal eine Runde durch Heselwangen, dann entdeckte er die Flammen in der Sakristei und alarmierte die Feuerwehr. Gerade noch rechtzeitig - wenige Minuten später, und die Empore wäre angebrannt, wahrscheinlich hätte auch der Dachstuhl bald Feuer gefangen.

Herzlichen Dank an Pascal für sein umsichtiges Verhalten in dieser Nacht!

 

In der Presse wurde dann ja ausführlich berichtet. Als Ursache wird ein technischer Defekt angenommen. Unklar ist immer noch, warum die Totenglocke kurz vor 20 Uhr und kurz vor 22 Uhr geläutet hat. Bis die Glocken wieder wie gewohnt durch den Stundenschlag die Uhrzeit ansagen und durch das Läuten zu den Gottesdiensten einladen, wird noch einige Zeit vergehen.

 

Mittlerweile steht im Innenraum der Kirche ein Gerüst bis an die Decke, so dass diese bis in die letzte Ecke abgewaschen werden kann. Überhaupt ist der Ruß, der bis in die hintersten Winkel gekrochen ist, das größte Problem. Sämtliche 807 Orgelpfeifen mussten rasch ausgebaut und einzeln gereinigt werden, damit das Metall keine Korrosionsschäden erleidet. Sie sind jetzt in einem abgeschlossenen Container neben der Kirche gelagert und werden am Schluss aller Arbeiten wieder eingebaut. Der beißende Brandgeruch in Innenraum dringt durch die Lüftungsfenster manchmal unangenehm nach außen. In der Sakristei jedoch kann man ohne Atemschutz nicht arbeiten. Dort ist alles verkohlt, und die geschmolzenen Kabel haben giftige Stoffe hinterlassen, die nun von einer Spezialfirma aus Bietigheim-Bissingen entsorgt werden.

Die anderen Arbeiten werden von Architekt Rainer Heinz an Handwerker aus der näheren Umgebung vergeben. Die Zusammenarbeit mit der Versicherung klappt ausgesprochen gut. Der bisherige Bestand wird anstandslos ersetzt. Vom Oberkirchenrat in Stuttgart sind wir aufgefordert worden, sinnvolle zusätzliche Maßnahmen wie eine Induktionsschleife für Hörgeschädigte oder eine verbesserte Lautsprecheranlage gleich mit einzubauen, obwohl wir das eigentlich nicht vorgehabt hatten.

 

Daher bitten wir trotz der Leistungen der Versicherung noch um Spenden für unsere Kirche - für die neue Heizung und die ursprünglich geplanten Sanierungsarbeiten bräuchten wir auch noch Geld.

Fertig wird unsere Kirche in diesem Jahr nicht mehr ganz. So haben wir im Kirchengemeinderat gesagt, dass wir die Handwerker nicht unter Zeitdruck setzen wollen. Die Konfirmationen vor Ostern jedoch werden wir in der frisch gerichteten Kirche feiern.

Darauf freuen wir uns schon sehr.

Die Gottesdienste werden, wenn nichts Anderes bekannt gegeben wird, solange weiter im Gemeindehaus stattfinden.

Sie sind herzlich eingeladen.

Pfarrer Christof Seisser

 

Kurzbeschreibung

Als die „Heiligenvogtei“ der Oberamtsgemeinden 1828 aufgelöst und ein Vermögensanteil der Gemeinde Heselwangen zugewiesen wurde, konnte der Bau eines Schulhauses und einer neuen Kirche betrieben werden. Die alte Kirche war für die rund 540 Seelen zählende Einwohnerschaft schon lange viel zu klein. Nach ihrem Abbruch entstand 1830 nach Plänen des Bauinspektors Carl Christian Nieffer aus Balingen die heutige Kirche im damals üblichen Stil des Klassizismus.

 

Im Geist der Aufklärung schuf Nieffer eine helle, schlichte Predigtkirche. Die Kanzel als wichtigstes Ausstattungsstück befand sich an der Stirnseite des rechteckigen Saalbaues über dem Altar, an drei Seiten von Emporen umgeben. Eine Renovierung 1956/57 mit Architekt Karl Schön/Dotternhausen trug dem gewandelten Verständnis von Gottesdienst und Kirchenraum Rechnung. An der Stirnseite lenkt seither eine Bogenöffnung den Blick in eine Apsis mit Altar und kleinem Buntglasfenster von Wolf-Dieter Kohler. Die Kanzel steht jetzt seitwärts an der Stelle einer Empore.

 

Aus dem Erbauungsjahr 1830 besitzt die Kirche einen Taufstein mit antiken Schmuckformen. Auch das Gehäuse der Orgel zeigt klassizistischen Stil. Das Orgelwerk mit einem Manual und Pedal lieferte 1831 Anton Braun aus Spaichingen. In den freistehenden Spieltisch baute Diethelm Berner/Stuttgart 1976 die Pfeifen für ein zweites Manual ein.

 

Zur Einweihung 1830 schenkte Bauinspektor Nieffer in die Kirche einen Grablegechristus  aus dem 17. Jahrhundert mit Schultergelenken und Pestbeulen. Die älteste der vier Glocken im Dachreiter goss 1706 der lothringische Wandergießer Johannes Rosier.

 

Adolf Klek

 

 

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Infos zum Glockenläuten (PDF 20 KB)

Chorfenster